Tawoo und Hühnereier

Am Dienstag war der erste Übungstermin im Tawoo Dojo. Diese Übung begann mit für Tawoo-Verhältnisse wenigen Teilnehmern, es waren am Anfang nur ca. 15 Leute. Das ändert sich aber für gewöhnlich im Tawoo Dojo immer im Laufe des Abends, da dann immer mehr Teilnehmer nach der Arbeit hinzustoßen. In diesem Fall steigerte sich die Teilnehmerzahl bis zum Ende der Übung auf geschätzte 40-45 Teilnehmer.

Geübt wurde eine schnelle Version des Tawoo-Stücks T3. Ich hatte diese T3-Version das erste mal bei Tawoo Rhythm, dem jährlichen Taiko-Festival des Tawoo Dojo vor 2 Jahren gesehen und war schon damals von der wahrlich „explosiven“ Energie, die dieses Stück ausstrahlt begeistert!

So ging es in der Übung zuerst um das Erlernen der Phrasen, das sind 5 verschiedene zweitaktige Rhythmen. Da diese auf dem Thema von T3 basieren, das ich auch im Kion Dojo unterrichte und schon lange kenne, stellte mich das Lernen der Phrasen vor keine große Herausforderung. Das Tempo allerdings und die dazugehörigen Fußschritte, die nur in dieser schnellen Version des Stücks hinzukommen, waren dann schon neu und herausfordernd.

Was aber neben den 5 Phrasen eine wichtige Rolle spielte und in dieser Übung unterrichtet wurde war das „aus sich herausgehen“. Es gibt im Tawoo Dojo viele unterschiedliche Stücke mit unterschiedlichem Charakter. So gibt es Stücke mit mehr introvertiertem Charakter, langsam und schwer, mit beiden Beinen fest auf dem Boden, die aber auch viel Kraft und Stärke ausstrahlen. Und es gibt am anderen Ende der Skala die sehr extrovertierten Stücke, mit meist schnellerem Tempo, einem tanzbaren Groove und quasi auf der Bühne abhebenden Trommlern. Diese Bandbreite an Stücken bringt gewissermaßen die ganze Bandbreite an menschlichen Charaktereigenschaften zum Ausdruck. Die Vielfalt der menschlichen Gefühlswelt findet so ihren Weg ins Taiko. Soviel Ausdrucksmöglichkeiten traut der ein oder andere einer oftmals als „archaisch“ beschriebenen Musikform wohl gar nicht zu!

In der Übung am Dienstag ging es also um den Ansporn, einmal zu versuchen aus sich herauszugehen. Eine mir vertraute Person, die zum ersten Mal an einer Tawoo-Übung teilnahm, beschrieb es so: Wenn man versucht ein rohes Ei (hoffentlich aus Bio-Haltung) zum Drehen zu bringen, wird es sich erst so richtig gut drehen, wenn man es vorher kocht. Als weiteres Beispiel nahm sie das Schlüpfen des Kükens aus dem Ei. Es erfordert einiges an Mühe die Schale des Eis aufzubrechen und am Ende aus dem Ei zu schlüpfen. Die umstehenden, schon geschlüpften Küken feuern dabei das schlüpfende Küken an, nach dem Motto: Schau mal, es tut gar nicht weh und ist gar nicht so schlimm mal rauszukommen. Probier´s es einfach mal aus! (Dass ein Küken nicht mehr so richtig gut schlüpfen kann, wenn das Ei vorher gekocht wurde, das bedachte die Person bei diesen zwei Beispielen allerdings nicht!)

Das Schlüpfen, also das aus sich herausgehen, gehört also im Tawoo Dojo zum Taiko-Unterricht hinzu. Das fällt übrigens nach meiner Erfahrung den Japanern (zumindest auf den Tawoo Dojo bezogen) weder schwerer noch leichter als den Deutschen! Man stelle mal einen Deutschen, der wenig Erfahrung im Taiko spielen hat, mit einer japanischen Trommel auf eine Bühne. Es wird für den Deutschen meistens genauso eine große Herausforderung sein, sich dieser Situation zu stellen wie für den Japaner. Sicher werden sich die Gestik und Mimik in beiden Fällen aufgrund der kulturellen Prägung unterscheiden, das Grundgefühl der Unsicherheit aber ist das gleiche!

Die Übung am Dienstag ging also wieder einmal weit über das „bloße Unterrichten eines Taiko-Stücks“ hinaus. Ein Punkt den ich am Tawoo Dojo und dem Unterricht von Kaoly Asano besonders schätze. Taiko ist hier eben nicht nur eine Ausführung von Musik, die irgendjemand komponiert hat (ich hoffe, es ist in den wenigsten Taiko Dojos so), sondern eine ganzheitliche Übung, die den Menschen mit all seinen Gedanken, Gefühlen, Ideen und Möglichkeiten einschließt. Dabei kann man einiges lernen, wenn man sich darauf einlässt!

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