Taiko-Samba mit japanischen Fledermäusen

Ein kleiner Bericht von der Tawoo-Übung am Montag.

Heute war ein anderer Schwerpunkt in der Tawoo-Übung als in der letzten Woche, als es sehr um Details und Feinheiten ging. Heute wurde gerockt, oder gesambat sozusagen.

Der Raum wurde für die unterschiedlich weit fortgeschrittenen Trommler in verschiedene Bereiche aufgeteilt, wie das typisch ist im Tawoo Dojo. Und dann ging es um ein einfaches Element aus der Shime-Stimme von T4: Tan tan taka katan takan.

Die Gruppen aus Dojo-Neulingen lernten im langsamen Tempo Schritt für Schritt den Rhythmus, während die etwas Fortgeschrittenen eine schwierigere Version bekamen und die noch Fortgeschritteneren eine wirklich wirklich schwierige Variation des Themas.

Und das ging dann ohne viel Worte in einem durch, von 18:30-19:50 Uhr und dann nochmal von 20:05 bis 21:10 Uhr. Während es in der ersten Hälfte noch 2-3 Unterbrechungen mit einigen Erläuterungen gab, war die zweite Hälfte einfach nur eine riesige Session.

Ich mache solche Sessions auch sehr gerne in Hamburg, weil man dabei einfach sehr schön frei lostrommeln kann und sich oft eine tolle Stimmung aufbaut. Im Tawoo Dojo mit ca. 35 Trommlern an diesem Abend ist es aber doch noch eine andere Nummer.

Typisch für so eine Session ist, daß die Gruppen von einzelnen Lehrern des Tawoo Dojo angeleitet werden, in diesem Fall waren das Kaoly, Nori, Chiyo und Haruna. Diese Lehrer geben Einsätze, verteilen neue Rhythmen usw. Und das ist dann eine Art von Session, die vielleicht viele an Samba erinnern mag und die Art in der die Spieler dort in verschiedenen Instrumentengruppen agieren und angeleitet werden. Sind denn nun die Leute im Tawoo Dojo verrückt geworden und so weit von Taiko abgerückt, daß die nun im Sambastil unterrichten? Muss man dann nicht schon Samba dazu sagen und nicht mehr Taiko?

Ich sage dazu entschieden nein und tue das mit dieser Begründung:

Wer sagt denn daß Samba-Gruppen ein Patent auf solche Arten von Sessions haben? Es handelt sich hierbei einfach um eine sehr schöne Form des Spielens und Übens von Rhythmen, da können Taiko-Spieler genauso auf die Idee kommen, so etwas zu machen wie auch Sambagruppen. Genauso wie es Erfindungen gibt, die in verschiedenen Teilen der Welt parallel gemacht wurden, ohne daß die Erfinder voneinander wussten. Einfach weil irgendwann irgendwer drauf kommen musste.

Wer noch nicht versteht was ich meine, hier noch ein Beispiel: Fledermäuse können fliegen, Vögel können das auch obwohl es sich um unterschiedliche Arten handelt. Einer von beiden kann das aber nicht etwa, weil sie es von den anderen abgeschaut hätten, sondern weil beide Arten irgendwann in der Evolution auf die „Idee“ gekommen sind zu fliegen, unabhängig voneinander weil sie sich ähnliche Prinzipien zunutze gemacht haben. Niemand würde aber behaupten, die einen hätten das von den anderen abgeschaut.

Was also Sessions im Taiko angeht, die viele Leute auch an Samba erinnern mögen, habe ich (und der Tawoo Dojo) überhaupt keine Berührungsängste, selbst wenn es abgeschaut sein sollte. Denn trotz ähnlicher Prinzipien auf denen solche Sessions beruhen, klingt doch eine Taiko-Session ganz anders als eine Sambagruppe (wie es auch bei Fledermäusen und Vögeln sehr unterschiedlich aussieht wenn sie fliegen).

Wer ein Taiko-Purist ist und sagt, daß das nichts im Taiko zu suchen hat, der bringt sich meiner Meinung nach selbst um eine schöne Möglichkeit des gemeinsamen Rhythmuserlebens.

Was so eine Session im Tawoo Dojo auf jeden Fall erfordert ist eine gewisse Ausdauer. Es muss aber dabei niemand ohne Pause durchspielen, sondern kann sich selbst seine kleinen Auszeiten zugestehen und soviel machen, wie es für ihn angenehm ist. Und dabei dann aber doch mal auch ein bisschen an seine Grenzen gehen. Die Leute im Tawoo Dojo gehen auf jeden Fall gerne an ihre Grenzen und es wird auch überwiegend durchgerockt bis der Schweiss in Strömen fliesst und die Arme und Beine schwach werden. Es droht niemals die Gefahr, daß das rhythmische Gebilde durch zu viele Pausierende zusammenbricht.

Am Ende hat man einfach nur getrommelt und getrommelt und nebenbei auch ganz viel gelernt ohne es zu merken. Das ist das tolle an so einer Session: Einfach loslegen! Meine Empfehlung!

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