3 Stunden Hammer-Taiko

Es gibt eine Sache, die ich seit meiner Rückkehr nach Deutschland ein bisschen vergessen hatte: Im Tawoo Dojo wird richtig heftig getrommelt!

Heute war Chuukyuu-Class, also eine Übung für Fortgeschrittene (darüber hinaus gibt es noch eine Übung für fortgeschrittene Fortgeschrittene). Es ging damit los, daß ein ziemlich schneller Grundrhythmus auf der Shime gespielt wurde, und das nur mit sehr wenig Variationen und über eine lange Zeit. Die ersten 1 1/2 Stunden wurde nur Grundrhythmus gespielt. Zwischendurch wurde der im Kreis herumgegeben, aber es blieb immer bei diesem Grundrhythmus fast ohne Unterbrechung. Drohte es mal zwischendurch langsamer zu werden, war Kaoly sofort zur Stelle „schob“ die Gruppe von ca. 25 Spielern wieder auf das Originaltempo. So lange und ausdauernd hatte ich schon lange nicht mehr geübt bzw. im Kion Dojo üben lassen. Immer als Gedanken an abfallende Arme aufkamen, ging es weiter und weiter. Wenn unterbrochen wurde, erklärte Kaoly sehr genau, wie dieser Grundrhythmus gespielt werden sollte. Sie gab sich mit der Ausführung der Akzente im Grundrhythmus nicht zufrieden und erklärte immer wieder, machte immer wieder vor, bis sich am Ende tatsächlich alle einem ähnlichen Grundrhythmus angenähert hatten. Dieses Eingehen auf die Details, dieses immer wieder ein Aspekt von unterschiedlichen Seiten beleuchten und mit verschiedenen Worten beschreiben ohne nach einem festgelegtem Unterrichtsschema zu gehen, das ist einer der besonderen Punkte, die Kaolys Unterricht ausmachen! „Die einfachsten Sachen können die schwierigsten sein“ sagte zu mir ein Mitglied des Tawoo Dojo in der Pause. Da hatte sie Recht. Etwas vermeintlich Einfaches wie der Grundrhythmus kann gar nicht zu viel geübt werden. Den Grundrhythmus aber wirklich zu verbessern und auf ein hohes Niveau zu heben, dafür braucht man diesen genauen Blick, die Detailfreude und die Beobachtungsgabe, was Kaoly alles besitzt. Das habe ich auf so einer anspruchsvollen und professionellen Ebene selten erlebt. Daß Kaoly auch während des Unterrichtens und Erklärens nicht auf der faulen Haut liegt sondern sehr aktiv mittrommelt, merkte man unter anderem daran, daß sie einen Bachi komplett zerbrach und den zweiten kurz vor die Auflösung brachte.

Die Übung ging dann nach der Pause noch weiter mit dem Grundrhythmus, diesmal wurden aber zwischendurch immer kleine Solos eingefügt, dabei war jeder immer einmal reihum dran. Hierbei fiel mir auf, auf was für einem hohen Level die Mitglieder des Tawoo Dojo alle spielen. Teilweise Leute, die erst seit einem Jahr Taiko spielten, legten Solos aufs Parkett, die sich echt gewaschen hatten. Ich denke daß das durchschnittliche Level der Taiko-Gruppen und Spieler wesentlich höher ist als das der Gruppen in Deutschland. Ohne irgendjemandem (oder meinem eigenen Dojo) zu nahe treten zu wollen, viele der Amateur-Taiko-Gruppen in Japan, würden eine beliebige deutsche Taiko-Gruppe, die sich zumindest für professionell hält glatt an die Wand spielen. Das kann man aber nur als Herausforderung und Inspiration begreifen. Deswegen finde ich es unglaublich wichtig für Leute, die ausserhalb Japans Taiko machen, zumindest einmal nach Japan gekommen zu sein und sich hier die Taiko-Gruppen angeguckt zu haben. Ich bin jetzt jedenfalls hier, und lasse mich schwer beeindrucken und werde weiter davon berichten! Tan takatan takatan…

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